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Kamps Classics - Ihr Auto-Restaurateur in Kevelaer

Kamps Classics - Der Charakter-Former - Wir restaurieren Ihren Oldtimer

In seinem Fachbetrieb restauriert Raimund Kamps Autos mit Geschichte. Er hat viel zu tun - denn Oldtimer sind trendy.

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Ein Traum in Weiß und Blau: Seinen Austin Healey, um den sich ein Mord aus Eifersucht rankt, hat Raimund Kamps zum persönlichen Favoriten erklärt. FOTO: Armin Fischer

Anfang der 1950er Jahre war die Nachfrage auf dem US-amerikanischen Automarkt nach einem britischen Austin Healey groß, doch das Angebot gering. Wer einen solchen Flitzer ohne lange Wartezeiten besitzen wollte, musste sich etwas einfallen lassen, um die offiziellen Verkaufswege im eigenen Land zu umgehen. Bobby Burns, ein texanischer Ölmagnat, etwa kaufte seinen Healey 100/4 kurzerhand in den Niederlanden und ließ den Wagen in die Staaten verschiffen, um dort Autorennen zu fahren. Allerdings konnte er den Austin nicht lange genießen, denn seine Frau erschoss ihn eines Tages hinterrücks. Aus Rache, weil Burns fremdging.

Heute, nach einer kleinen Odyssee durch verschiedene Eigentümerhände und nach Jahrzehnten des Verrostens in einer amerikanischen Scheune, hat der Niederrheiner Raimund Kamps das britische Schätzchen von Grund auf überholt und ihm seinen alten automobilen Glanz zurückgegeben.

Im Mai 1954 fuhr der Healey 100/4 das erste Rennen und wurde in Wichita Falls, einer berühmten Werkstatt, in der auch die Fahrzeuge von Rennfahrerlegenden wie Briggs Cunningham und Carroll Shelby standen, gewartet. "Es lässt sich aber nicht nachweisen, dass einer von ihnen mit meinem gefahren ist." Der Wagen erhielt eine weiß-blaue Lackierung entsprechend den US-amerikanischen Landesfarben. So präsentiert er sich heute noch, und an der Tür prangt weiterhin der Name des Rennstalls, für den der Healey an den Start ging: Scuderia Pogo Rebel Racing Team. "Bis 1959 fuhr er Rennen, dann hatte er einen Motorschaden", erinnert sich Kamps. Ein Farmer kaufte den Austin mit dem Ziel, ihn mit einem V8-Motor aufzurüsten. Doch dazu ist es nie gekommen. Ein Weiterverkauf kam auch nicht in Frage, denn in jenen Jahren war dieses Modell nicht mehr sonderlich begehrt. Entweder man hatte einen Austin Healey Sprite oder es musste ein Sechszylinder sein. "Erst in den letzten Jahren verlangen alle nach vier Zylindern, weil es der urigste und vom Fahrverhalten her der beste Healey ist", sagt der Niederrheiner mit seinem Faible für alte britische Autos.

Als ein Antiquitätenhändler zufällig den Wagen 30 Jahre nach dem letzten Rennen entdeckte, stand der Motor noch immer neben dem Fahrzeug. Der Healey ging durch weitere Hände, wurde aber nie fertig restauriert. Schließlich erhielt Kamps Nachricht von dem zum Verkauf stehenden Briten und schlug zu. "So habe ich ihn dann zerlegt bekommen. Er hatte sich einmal überschlagen, war aber von der Substanz her sehr gut, weil er ausschließlich Rennen gefahren ist." Die Karosserie war grob zusammengesteckt. Einzelteile lagen im Auto. Achsen waren montiert, er war also rollfähig. Aber alles andere lag in den Kartons.

Mit dem Schiff kehrte der Healey, die losen Teile in Kisten und Container verpackt, nach Europa zurück, wo er nach und nach wieder Form annahm. Bei manchen Features musste Experte Kamps lange recherchieren, bis er ihre Funktion herausfand. Ein Blech in einer der Kisten ließ sich zum Beispiel lange Zeit nicht identifizieren, auch nicht auf einer Fachmesse. Erst durch Zufall kam er dahinter, dass es sich um ein spezielles Luftleitblech handelt, um den Hauptbremszylinder zu kühlen.

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Kenner erahnen die nun neu lackierte Fahrgastzelle eines Jaguar E-Type: Raimund Kamps ist mit der Lackierung zufrieden. FOTO: Armin Fischer


Von früheren Fahrern liegen Kamps Briefe und Kommentare vor, in denen sie sich lobend über das Auto, über das Drehmoment und Fahrverhalten äußern. Außerdem füllen zahlreiche alte Bilder vom Wagen aus den 1950er Jahren einen Ordner. Die ganze Geschichte seines Austin erfuhr der Kfz-Meister aus einem Austin Club-Magazin, wo ein großer Bericht speziell über dieses Auto abgedruckt war. Eine solche lückenlose Dokumentation sei ein Traum, freut er sich. Ebenso wie der Wagen selbst: "Alte Rennwagen sterben nie".

In der Ausstellungshalle des Kfz-Meisters in Winnekendonk stehen unter anderem ein Wolset Hornet Special, Baujahr 1934, mit sechs Zylindern und 1300 ccm, ein Rover 16 special von 1939 und - für die, die es etwas moderner lieben - ein Lotus Elan Coupé von 1969 Serie 3. Über den MG B Cabrio mit seinem V8 Motor, den es so ab Werk nicht gegeben hat, urteilt Kamps: "Ein ,Wolf im Schafspelz'".

Nebenan in der Werkstatt wird gerade an einem seltenen DeTomaso gearbeitet, der Motor eines Jaguars liegt demontiert auf dem Boden, Mechaniker Heinz Manten kontrolliert währenddessen die Zähnräder des Getriebes und Karosseriebaumeister Patrick Peters arbeitet am totalen Neuaufbau eines Jaguar XK 120. Eine neue aus Aluminium handgefertigte Motorhaube zeigt die hohe Kunst des Handwerks.

Auf dem Hof wartet schon ein Alvis 1270 special von 1939 auf die Auslieferung an einen Kunden in der Hamburger Gegend. Über mangelnde Arbeit kann sich also Raimund Kamps nicht beklagen, denn Oldtimer sind trendy. Der eigene Healey jedoch, ein Traum in Weiß und Blau, wartet in der Halle auf dem Hof darauf, wieder ausgeführt zu werden. Was viel zu selten geschieht, gesteht Kamps schweren Herzens. Der Fan des historischen Motorsports hatte sich einst mit der Restaurierung eines Alvis selbstständig gemacht, aber wirtschaftlich davon leben konnte man damals von dieser Tätigkeit nicht. "Das war mehr oder weniger Hobby." Denn Oldtimer waren eher etwas für Exoten. Nicht jedoch für den Niederrheiner: "Ich wollte immer schon Oldtimer restaurieren", sagt er und schwärmt: "Jedes Auto ist anders. Zwar sind viele Teile austauschbar, aber jedes Auto hat seinen eigenen Geruch, hat sein individuelles Aussehen und seinen Sound. Das ist nicht dieser Einheitsbrei von den heutigen Fahrzeugen. Man sieht die Technik. Jeder Wagen hatte seinen eigenen Charakter."

Quelle: Rheinische Post / Von Peter Kummer